Tomatenrot: Über Ausgrenzung und den Mut, für andere einzustehen

Es beginnt recht harmlos: Ein Mädchen zeigt mit dem Finger auf einen Bub und stellt amüsiert fest “Du… du wirst rot”. Aus dieser kleinen Feststellung entsteht schnell eine Lawine an Bloßstellungen für Tom, den Jungen der rot wird. Die anderen Kinder tuscheln, lachen.

Erzählt wird die Geschichte aus der Sicht des Mädchen, das die erste Bemerkung gemacht hat. Die Geschichte zeigt sehr interessant, wie dieses Mädchen die Situation anfangs mit kindlicher Faszination beobachtet:

“Wir flüstern Farbe auf Toms Wangen.
Von Tomatenrot über Paprikarot zu Kirschrot.”

(aus “Tomatenrot” von Jan De Kinder)

Vom kleinen Spaß zu bitterem Ernst

Ein Junge, Paul, hat eine besonders starke Wirkung auf Toms Wangen und wird von Toms offensichtlicher Reaktion nur weiter angeheizt. Das Mädchen realisiert, dass das was Tom gerade passiert kein Spaß mehr ist – vielleicht auch nie war. Angesichts der immer aggressiver werdenden Ereignisse wird sie aber ängstlicher und stiller. Paul beginnt Tom zu schupsen, irgendwann liegt Tom am Boden, niemand traut sich etwas zu sagen – vor Paul haben alle Angst.

“Tomatenrot” ist das dritte Buch, das ich uns zum Thema “Mobbing” besorgt habe. (Die anderen beiden werde ich auch noch mal vorstellen.) Es ist aber das einzige Buch bis jetzt, in dem die Erwachsenen – aus meiner Sicht – die Verantwortung nicht auf die Kinder abwälzen – im Sinne von “die Kinder machen das schon unter sich aus”. Denn: “Neben den Mobbing-TäterInnen und den Betroffenen gibt es auch die Personen, die bei Mobbing zuschauen, wegschauen oder es verharmlosen. Auch durch dieses Verhalten wird Mobbing ermöglicht.” (RatAufDraht.at)

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Was tun bei Mobbing?

Für das Mädchen in “Tomatenrot” ist der entscheidende Moment jener, in dem sie sich traut, auszusprechen, was passiert ist. Diese Entscheidung mit all ihren Unsicherheiten und Ängsten wird sehr anschaulich abgebildet. Was sie erzählt – und die anderen Kinder, die durch ihren Mut ebenfalls das Schweigen brechen, erzählen – bleibt offen, auch wie die Lehrerin darauf reagiert oder welche Konsequenzen sie daraus zieht. Für Tom zählt schlussendlich nur, dass die anderen für ihn einstehen.

Der Orelli Füssli Verlag (dessen Imprint der Atlantis Verlag ist) bietet auf seiner Website auch ausführliches Begleitmaterial zum Buch zur Verfügung. Das PDF findet ihr hier.

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Ich hab jetzt auf der Suche nach einem guten Kinderbuch über Mobbing recherchiert habe, habe ich auch ein bisschen zum Thema selbst recherchiert. Dabei erschien mir der “No Blame Approach” als langfristig sinnvollster Lösungsansatz.

Tomatenrot *
Atlantis Verlag (ein Imprint von Orell Füssli Verlag)
Jan De Kinder (Autor & Illustration)
Monika Götze (Übersetzer)
ISBN: 978-3-7152-0679-0
Empfohlenes Alter: ab 4 Jahren
ca. 15 Euro

(Das kleine Bild verlinkt auf Amazon.*)